Informelles Lernen

lerngruppe

Formales, Non-Formales und Informelles Lernen

Es gibt eine Vielzahl von Theorien und Modellen, die zu erklären versuchen, was Lernen ist und in welchen Umgebungen es zu welchen Ergebnissen führt (für einen Überblick siehe bspw. Cassidy, 2004). Darin werden drei grundsätzliche Lernformen unterschieden: formales, non-formales und informelles Lernen. Eshach (2007) charakterisiert, diese mit einem zugrundeliegenden Kontinuum von Faktoren wie vorgegebener Struktur, Lernerzentrierung und Selbstbestimmungsmöglichkeiten.

Lernen durch Auseinandersetzen mit dem Thema

In einem organisationalen Kontext geschehen etwa 70% – 90% des Lernens informell und anhaltend (Cerasoli, Allinger, Donsbach et al., 2018). Das heißt nicht durch direktiv-formale Trainings, sondern parallel und interaktiv mit der eigentlichen Tätigkeit. Wir lernen viel mehr durch ein eigenes Auseinandersetzen mit einem Thema als durch Wiederholung vorgegebener Inhalte. Wir lernen dann besonders erfolgreich, wenn die Aufgabe, mit der wir uns auseinandersetzen, intrinsischen Wert hat. Dies gilt vor allem wenn wir metakognitive Regulationsmechanismen entwickelt haben, also uns mit dem Auseinandersetzen an sich auseinandergesetzt haben, und eine hohe Selbstwirksamkeit haben (Credé & Phillips, 2011; Bandura, 1994).

Selbstbestimmung vorausgesetzt

Diese selbstbezogenen Faktoren des Lernens setzen allerdings voraus, dass eine gewisse Selbstkompetenz entwickelt worden ist. Das steht jedoch in der Verantwortung des lernenden Individuums. Informelles Lernen und damit Lernen an sich ist also elementar mit Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und sinnstiftenden Werten verbunden. Dass Kinder diese Konzepte sowohl in ihrem alltäglichen Leben als auch in dedizierten Lernumgebungen kennenlernen und selbst gestalten, sollte also eigentlich der Normalfall sein. In starren formalen Rahmen, wie sie oft in der Schule anzutreffen sind, ist dies nur bedingt möglich und wird größtenteils auch nicht erwünscht. Erst in der Anpassung der Strukturen und Inhalte an die individuellen Bedürfnisse der Kinder kann gewährleistet werden, dass sie nicht nur Selbsterfahrung lernen, sondern auch als vollwertige Individuen akzeptiert werden.

Lernerfahrung bei patiki

Bei patiki wählen die Kinder selbst aus, welchen Themen sie sich nähern wollen und werden dabei unterstützt und nicht gezwungen. Die Lehrpersonen fördern die konstruktive Auseinandersetzung der Kinder mit dem Lernen, dem zu Lernenden und dem Lernenden und begreifen sich als Teil des Prozesses und nicht als Obrigkeit. Die Lernform ist hier also deutlich weniger formal und alterniert zwischen non-formalen Typen für unterstützende Tätigkeiten und informellen Typen für die Auseinandersetzung. Diese gemeinsame Selbsterfahrung wird dabei nicht statisch gedacht, sondern immer wieder neuen Umgebungsbedingungen, Neugierden und Interessen angepasst und wird so zum gemeinsamen Werden.

Referenzen:

  • Bandura, A. (1994). Self-efficacy. San Francisco: Wiley Online Library.
  • Cerasoli, C.P., Alliger, G.M., Donsbach, J.S. et al. (2018). Antecedents and Outcomes of Informal Learning Behaviors: a Meta-Analysis. J Bus Psychol 33, 203–230. https://doi.org/10.1007/s10869-017-9492-y
  • Credé, M., & Phillips, L.A. (2011). A meta-analytic review of the Motivated Strategies for Learning Questionnaire, Learning and Individual Differences, doi:10.1016/j.lindif.2011.03.002
  • Cassidy, S. (2004). Learning Styles: An overview of theories, models, and measures, Educational Psychology, 24(4), 419-444, DOI: 10.1080/0144341042000228834
  • Eshach, H. (2007). Bridging in-school and out-of-school learning: Formal, non-formal, and informal education. Journal of science education and technology, 16(2), 171-190.
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